Aus für die unechte Einbahnstraße
Fortschritt oder Rückschritt?
Bereits in der zweiten Sitzung nach der Kommunalwahl haben Bürgermeister Franz Rumstadt und die CSU ihr Wahlversprechen, die unechte Einbahnstraße in der Ortsmitte von Lappersdorf aufzulösen, eingelöst. Mit 12:9 Stimmen beschloss der Marktrat nach lebhafter Diskussion die von Franz Rumstadt vorgeschlagene verkehrsberuhigte Zone, umgangssprachlich auch „Spielstraße“ genannt, einzurichten.
Das bedeutet:
1. Schrittgeschwindigkeit: Autos, Busse, Motorräder, E-Scooter, Fahrräder dürfen in beiden Richtungen fahren, allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit (7-10 kmh).
2. Vorrang für Fußgänger: Fußgänger dürfen die Straße in ihrer gesamten Breite nutzen. Autofahrer müssen Rücksicht nehmen und dürfen die Fußgänger nicht behindern. Auch Fußgänger dürfen den Verkehr nicht unnötig behindern.
3. Parken: Parken ist grundsätzlich verboten und nur in gekennzeichneten Flächen erlaubt. Außerhalb dieser Flächen ist das Halten zum Aus-und Einsteigen oder zum Be-und Entladen bis zu 3 Minuten erlaubt.
Vorgeschichte
Im Jahr 2021 wurde die unechte Einbahnstraße in der Lappersdorfer Ortsdurchfahrt eingeführt - nach langjährigem Drängen der SPD-Fraktion im Marktrat. Der viel zu früh verstorbene Günther Streiff und Barbara Rappl kämpften seit 2015 vor allem für einen durchgehenden sicheren Seitenstreifen für Fußgänger und einen Probeversuch für eine Einbahnstraße. Die Verkehrszählung vor der Einführung der unechten Einbahnstraße im Jahr 2021 ergab ca. 2000 Kfz pro Tag in der Ortsmitte. Bei der nächsten Zählung drei Jahre nach der Einführung verringerte sich das Verkehrsaufkommen um ca. 500 Kfz pro Tag.
Marktratsbeschluss Februar 2026: Mehrheit für Beibehaltung
Als in der Marktratssitzung im Februar 2026 darüber entschieden wurde: Beibehaltung der unechten Einbahnstraße oder andere Lösungen, entschied sich der Marktrat mehrheitlich mit den Stimmen der SPD für die Beibehaltung der unechten Einbahnstraße. Überzeugend waren die fachlichen Aussagen des ÖPNV Experten Josef Weigl u.a., dass der Linienbus der Linie 13 weiterhin in beiden Richtungen die Ortdurchfahrt bedienen muss. Der ÖPNV muss nämlich zu den Menschen kommen und kann nicht auf die Umgehungsstraße verlegt werden oder unnötige Schleifen fahren müssen. Das Hauptproblem der Beschwerden über die unechte Einbahnstraße sah die Marktratsmehrheit in der Nichteinhaltung des Einfahrverbots, manchmal willkürliches Parken und fehlende Polizeikontrollen.
Aus Sicht der GFN hat sich die Situation durch die unechte Einbahnstraße trotzdem verbessert. Die Busfahrer berichten von weniger Stauungen in der Ortsdurchfahrt. Es gibt noch einige Engstellen, bei denen man ggf. über das Streichen von Parkplätzen nachdenken solle.
Siehe Lappersdorfer Mitteilungsblatt März 2026
Es herrscht Einigkeit über Parteigrenzen hinweg, dass es keine ideale Lösung für alle Interessensgruppen in der Ortsdurchfahrt geben kann. In der SPD wird befürchtet, dass mit der Auflösung der unechten Einbahnstraße wieder mehr Verkehr in die Ortsmitte gezogen wird und sich die Situation für die schwächeren Verkehrsteilnehmer: Fußgänger, Leute mit Kinderwägen, behinderte und ältere Menschen trotz neuer Regelung eher verschlechtern werde. In der Hauptverkehrszeit könnte es wieder zu denselben Verkehrsproblemen kommen, die zur Einführung der unechten Einbahnstraße geführt haben. Übrigens hat die GfN die neue Verkehrsregelung nicht vorgeschlagen, kann aber mit der vom Bürgermeister gewünschten Kompromisslösung der verkehrsberuhigten Zone mitgehen. Zwei Parkplätze fallen weg.
Neue Regelung Schnellschuss und verfrüht?
In den Augen der SPD macht eine „Spielstraße“ in einer Wohnsiedlung Sinn, nicht aber in einer Straße mit Durchgangsverkehr. Ob es gelingt, die Ortsdurchfahrt mit dieser „Spielstraße“ für Autofahrer unattraktiv zu machen und den Durchgangsverkehr zu reduzieren, wird sich zeigen.
Zudem wird der Ortskern aktuell stark umgebaut: das Pfarrheim wird fertiggestellt, das Schnaus-Haus abgerissen und ein Neubau errichtet, der Marktplatz wird umgestaltet mit erneuertem Treppenaufgang zur Schule und einer Stützmauer zur Hangabsicherung zur Mittelschule. Die Baumaßnahmen werden sich vermutlich bis 2028 hinziehen mit den damit einhergehenden Belastungen für die Ortsdurchfahrt und die Anwohner.
Meinungen der SPD in der Fraktion und SPD-Mitglieder
Die SPD hätte es für sinnvoller gehalten, die bisherige Regelung bis zur Beendigung der Baumaßnahmen beizubehalten. Der überhasteten Auflösung der unechten Einbahnstraße konnten Katja Stegbauer, Janis Wessely, die Grünen und Freie Wähler nicht zustimmen. Lediglich die SPD- Markträte Stefan Königsberger und Christian Hammer sowie Robert Wachtveitl (FW) stimmten trotzdem zu. Sie können mit der neuen Regelung „leben“, zumal auch beschlossen wurde, dass nach einem Jahr die Maßnahme „verkehrsberuhigte Zone“ auf den Prüfstand kommen wird und entsprechende Schlüsse aus den Ergebnissen gezogen werden.
Unser Ziel
Die SPD wird dieses Konzept kritisch begleiten und am Ziel festhalten, die Ortsdurchfahrt sicherer für schwächere Verkehrsteilnehmer zu machen, z.B. mit einem durchgehenden farblich abgesetzten Seitenstreifen.
Es liegt dem Markt Lappersdorf ein Konzept eines Planungsbüros vor, dass Vorschläge zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität in der Ortsmitte aufzeigt. Man muss dranbleiben.